Fertighausverband 57 Baustelle gebracht, dort bearbeitet und zu einem Haus zusammengefügt, sondern vorfabrizierte Teile. Die Vorfabrikation macht den Hausbau vom Wetter unabhängig, erhöht die Qualität und spart Zeit. Eines der ersten Fertighäuser Österreichs, das Gast- haus „Radlwirt“ im steirischen Veitsch, war auf der Weltausstellung 1873 in Wien zu sehen und wurde dann vom neuen Besitzer, dem Grafen Hardegg, in der Steiermark aufgestellt und als Jagdhaus genutzt. Seit 1937 als Gasthaus geführt, ist der „Radlwirt“ beliebter Treffpunkt für Bergwanderer. 1910 fertigte die Holzbaufirma Wenzl-Hartl das erste Einfamilienhaus, das anlässlich einer internationa- len Ausstellung den Staatspreis erhielt. Das Haus steht heute noch in Echsenbach in Niederösterreich. In den 1950er-Jahren begannen namhafte Architek- ten wie Roland Rainer und Carl Auböck, sich mit der Fertigbauweise zu beschäftigen. Der Durchbruch der Fertighausindustrie gelang ab 1980, als man begann wirklich hochwertige Pro- dukte auf den Markt zu bringen. 1980 wurden 1.300 Fertighäuser gefertigt, heute ist bereits jedes dritte neu errichtete Haus ein Fertighaus. Der deutliche Aufschwung der Fertighaus-Industrie hing auch mit einem Wertewandel in der Gesell- schaft zusammen. Steigendes Bewusstsein für Bau-Ökologie, effiziente Energienutzung und der Trend zur individuellen Ge- staltung des eigenen Hauses wurden von den Fer- tighausherstellern früh erkannt und in erfolgreiche Konzepte umgesetzt. Seit 2000 ermöglichten neue Bauordnungen der Fertighausindustrie, auch im Mehrgeschossigen Wohnbau tätig zu werden. Das Fertighaus allgemein Fertighäuser sind Bauwerke, deren vorgefertigte ge- schosshohe Wand- Decken- und Dachelemente in einem Betrieb witterungsunabhängig, weitgehend komplett hergestellt und in großen Einzelteilen auf die Baustelle transportiert und dort auf vorbereiteten Unterbauten montiert werden. Darüber hinaus darf die Bezeichnung „Fertighaus“ nur dann verwendet werden, wenn im Angebot mindestens der Lei- stungsumfang für ein „Fertighaus-Ausbauhaus“ ent- halten ist. Diese Vorgaben wurden in der ÖNORM B 2310 festgelegt. Fertighäuser können auf einem Keller oder auf einer Fundamentplatte errichtet werden. Alle Angaben, auch die Preise, beziehen sich in der Regel auf „ab Keller- oder Fundamentoberkante“. War früher der günstige Preis und die kurze Bauzeit das vorrangige Argument, so ist es heute vor allem die große Ge- staltungsvielfalt. Fertighausmodelle werden von Ar- chitekten oder Architektenteams entwickelt, dadurch werden funktionelle und optische Fehler im Vorfeld vermieden. Von den Häusern von der Stange bis zum individuellen Architektenhaus bietet das Fertig- haus dem Kunden alle Möglichkeiten. Auch der Fertigungsgrad ist an die Wünsche und Bedürfnisse des Bauherrn angepasst. Vom schlüs- selfertigen Haus bis zum Ausbauhaus sind die Mög- lichkeiten gegeben. Da es sich beim Fertighaus um ein hochwertiges und technisch anspruchsvolles Gebäude handelt, musste ein Mindestleistungsum- fang definiert werden, um die Sicherheit und Quali- tät zu gewährleisten. Der Österreichische Fertig- hausverband legte daher ein Leistungspaket für zwei Ausbaustufen fest: Für das Fertighaus „Aus- bauhaus“ und für das Fertighaus „Schlüsselfertig“. Mit der genauen Definition der Ausbaustufe, ist auch der exakte Preis festgelegt. Um den Käufern
