Wie bauen im Klimawandel? Die Tatsache, dass sich unser Klima durch die Belastung der Erdatmosphä- re mit Treibhausgasen wie CO2 verän- dert, steht mittlerweile außer Zweifel. Die Frage, wie sich die geänderten Be- dingungen auf Gebäude auswirken werden, konnte bis dato nicht sinnvoll beantwortet werden, weil keine halt- baren lokalen Klimaszenarien verfüg- bar waren. Seit der Veröffentlichung des Schluss- berichts des Österreichischen For- schungsprojekts reclip:more (Research for Climate Protection: Model Run Eva- luation) im Juni 2007 liegen nun be- lastbare Klimaszenarien für Österreich im Jahr 2050 vor.1 Auf Basis dieser Szenarien wurde es erstmals möglich, das geänderte ther- mische Verhalten von Gebäuden im Kli- mawandel zu untersuchen. Bemerkenswert ist, dass sich globale Klimaveränderungen im Alpenraum deutlicher auswirken als im weltweiten Schnitt. Vergleichsmessungen belegen dieses Phänomen, das durch die ther- mische Massenträgheit der Alpen und das geänderte Reflexionsverhalten bei unterschiedlicher Gletscher bzw. Schneefeldausdehnung erklärt werden kann.2 Das Klimaszenario für die thermische Gebäudesimulation des Jahres 2050 wurde durch die Verschiebung des ak- tuellen Wiener Klimadatensatzes nach METEONORM um die jeweils höchsten bzw. niedrigsten prognostizierten Ab- weichungen der jahreszeitlichen Mit- teltemperaturen für den Osten Öster- reichs erstellt.3 Die folgenden Verschiebungen wurden somit vorgenommen: • Winter: +1,3°C und +1,8°C • Frühjahr: +1,8°C und +2,5°C • Sommer: +2,0°C und +2,5°C • Herbst: +2,5°C und +3,0°C So wurden zwei Klimadatensätze für das Jahr 2050 erstellt, die ausgehend von der weiteren Entwicklung der Treib- hausgas Emissionen, ein Szenario mit geringerer, und ein Szenario mit höhe- rer durchschnittlicher Erwärmung wie- dergeben. GEBÄUDEPERFORMANCE 2050 14 1,0 0,8 0,6 0,4 0,2 0,0 -0,2 -0,4 -0,6 -0,8 -1,0 1760 1780 1800 1820 1840 1860 1880 1900 1920 1940 1960 1980 2000 Temperaturanomalie[°C] Abbildung1: Vergleich globaler und österreichischer Mitteltemperaturschwankungen 1 reclip:more - Research for Climate Protection: Model Run Evaluation 2007 2 Krop-Kolb Helga, Formayer Herbert, Schwarzbuch Klimawandel, ecowin 2005 3 METONORM 5.1; global meteorological data-base for applied climatology; Jan Remund und Stefan Kunz; METEOTEST GmbH, Bern; 2004
