10:42:05 - Bauhandbuch 2009

ÖKOLOGISCHES BAUEN 22 Was jedoch klar ist, sind die Grundfak- toren, die ein Niedrigenergiehaus als solches auszeichnen: Kompaktheit Die präferierte Bauweise ist kompakt. Ein möglichst rechteckiger Grundriss und zwei Geschoße verringern die Ge- bäudeoberfläche und somit auch et- waige Wärmeverluste. Gerade beliebte architektonische Details wie Erker, Loggien oder Dachgaupen sollten ver- hindert werden, da sie die Oberfläche wieder vergrößern und so Wärmever- luste ermöglichen. Südausrichtung Die Sonneneinstrahlung kann beson- ders durch die Südlage des Gebäudes ausgenutzt werden. Zwei Drittel der Fensterflächen sollten dabei nach Sü- den gerichtet sein, um so die Wärme- gewinne der Fenster über deren Ver- luste stellen zu können. Dämmung Niedrige U-Werte bei Bauteilen zu un- beheizten Räumen oder bei Außentei- len senken den Energiebedarf. Eine gute Dämmung beinhaltet Wärme- schutzverglasung bei den Fenstern (1,2 bis 0,7 W/m2K), 25 – 40 cm Dämmung in der obersten Geschoßdecke sowie gut gedämmte Außenwände. Die Tabelle auf dieser Seite gibt einen groben Überblick über die unter- schiedlichen Anforderungen an den Dämmstan-dard. Für eine gesamthafte Beurtei-lung des Gebäudes, wie sie bei der Berechnung der Energiekennzahl er-folgt, sind jedoch weitere Faktoren einzubeziehen (z.B. solare Gewinne, Lüftungsverluste, Kompaktheit). Luftdichtheit und Wärmebrücken- minimierung Eine sorgfältige Bauausführung ist Voraussetzung für die Erreichung einer niedrigen Energiekennzahl. Die Vermeidung von Bauschäden und ein angenehmes Raumklima sind positive Begleiterscheinungen. Einen Schritt weiter geht das Passiv- haus. Es bezeichnet einen Gebäude- standard, bei dem ohne aktives Heiz- system ein Höchstmaß an Behaglich- keit sowohl im Winter als auch im Som- mer sichergestellt ist. Voraussetzung dafür sind eine thermisch optimierte, wärmebrückenfreie und eine luftdich- te Gebäudehülle, spezielle Passivhaus- fenster und eine hocheffiziente Kom- fortlüftung mit Wärmerückgewinnung, die für permanente Frischluft im gan- zen Haus sorgt. Der jährliche Heizwärmebedarf liegt bei Passivhausbauten bei maximal 15 kWh pro Quadratmeter im Vergleich zu 50 kWh bei Niedrigenergiehäusern bzw. 65 kWh beim Energiesparhaus. Bedenkt man, dass der Sektor Hoch- bau und Raumwärme nach wie vor mit 30 % Gesamtanteil zu den größten Verursachern von CO2-Emmissionen zählt, untermauert dies die Notwen- digkeit für mehr Umweltbewusstsein beim Bau eines Hauses. Egal ob thermische Sanierung oder Neubau auf modernstem Standard – die Bauwirtschaft kann einen effizien- ten Beitrag zum globalen und regiona- len Klimaschutz leisten. Energiesparen ist die Zukunft! Möglichkeiten gibt es ja genug! U-Werte Fenster Außenwand Oberste Geschoßdecke Kellerdecke 1,9 0,5 0,25 (= ca. 18 cm Dämmung) 0,45 1,3 0,35 0,2 (= ca. 24 cm Dämmung) 0,3 1,1 0,2 0,15 (= ca. 30 cm Dämmung) 0,25 0,8 0,12 0,1 (= ca. 40 cm Dämmung) 0,15 Standardhaus (Bauordnung) <120 kWh/m2 a Energiesparhaus <65 kWh/m2 a Niedrigenergiehaus EKZ <50 kWh/m2 a Passivhaus EKZ <15 kWh/m2 a

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