10:42:05 - Bauhandbuch 2009

INNENRAUMLUFTQUALITÄT 24 Innenraumluftqualität in Passivhäusern 1. Relevanz von Innenraumluft- schadstoffen Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Gesundheit als einen „Zu- stand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht die bloße Abwesenheit von Krankheit oder Gebrechen.“ Diesem Anspruch gerecht werdend müssen an die Luftqualität in Innenräumen be- sondere Anforderungen gestellt wer- den, da Menschen in westlichen In- dustriestaaten mittlerweile knapp 90% ihrer Lebenszeit in Innenräumen verbringen. Und immerhin noch rund 55% der Le- benszeit hält sich der Durchschnitts- mensch zuhause auf1 . Wiewohl die sta- tistischen Aussagen naturgemäß eine gewisse Schwankungsbreite aufwei- sen, ist klar, dass diese Prozentsätze für ländliche und städtische Bevölke- rung relativ konstant sind. Auch sind die Unterschiede zwischen den Aufent- haltsdauern in europäischen Städten unterschiedlicher geographischer Lage überraschend gering (s. Abbildung 3). Weiters zeigt die Statistik, dass die Aufenthaltszeit in Innenräumen mit zunehmendem Alter ansteigt (s. Ab- bildung 2). Dies ist insbesondere vor dem Hintergrund der allgemeinen de- mographischen Entwicklung zu be- denken – steigt doch der Anteil der Menschen über 60 Jahre an der Ge- samtbevölkerung kontinuierlich an. Ältere Menschen zählen ebenso wie Kinder zu jenen Personengruppen, die als besonders empfindlich gelten, und die gleichzeitig überdurchschnittlich viel Zeit in Innenräumen verbringen. Bei diesen Gruppen trifft sich also eine erhöhte Vulnarabilität der Gesundheit mit einer im Schnitt besonders langen Exposition in Innenraumluft. Eine star- ke Sensibilität für Schadstoffe, die in dieser Innenraumluft enthalten sind, ist die Folge. Es gilt aber nicht nur Ge- sundheitsstörungen durch diese Schad- stoffe zu vermeiden, sondern auch Störungen des Wohlbefindens und der Konzentrationsfähigkeit der Bewoh- ner. Dies ist für Wohnräume ebenso wichtig wie für Arbeitsstätten, an denen gleichfalls ein nicht unerhebli- cher Teil der Lebenszeit verbracht wird und sich schlechte Luftqualität in ver- minderter Leistung und Produktivität niederschlägt. Zu unterscheiden ist dabei zwischen Gesundheitsgefährdung und Geruchs- belästigung durch einen Innenraum- schadstoff. Für letztere können bereits Kleinstmengen ausreichen, die zu kei- ner gesundheitlichen Beeinträchtigung führen, das Wohlbefinden der Bewoh- ner aber dennoch erheblich stören. Andererseits sind zahlreiche hoch toxi- sche Substanzen trotz ihrer großen Gefahr für die Gesundheit durch den menschlichen Geruchssinn nicht de- tektierbar2 . Abbildung 1: Durchschnittliche Aufenthaltszeiten gesamt3 Abbildung 2: Durchschnittliche Aufenthaltszeiten im Wohnbereich nach Altersgruppen4 Abbildung 3: Statistische Aufenthaltszeiten in euro- päischen Großstädten5 1 Hänninen, Otto (2007) 2 Belazzi, T. (17.10.2008) 3 Tappler, Peter (8. Oktober 2008) 4 ebenda 5 Hänninen, Otto (2007)

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