10:42:05 - Bauhandbuch 2009

INNENRAUMLUFTQUALITÄT 25 2. Innenraumluftspezifische Aspekte des Passivhausstandards Das in Hinblick auf Innenraumluftqua- lität bedeutendste Charakteristikum eines Passivhauses ist die hier aus- nahmslos vorhandene Komfortlüf- tungsanlage. Daher konzentriert sich die Frage, wel- che Auswirkungen auf die Innenraum- luftqualität und das Auftreten von Schadstoffen sich durch die Passiv- hausbauweise ergeben, fast ausschlie- ßlich auf die Betrachtung der Einflüsse der Lüftungsanlage und der luftdich- ten Bauweise auf die Raumluftqualität. Gleichzeitig sind Komfortlüftungsanla- gen natürlich kein Alleinstehensmerk- mal von Passivhäusern, sondern fin- den sich ebenso in guten Niedrigener- giehäusern und in vielen Nichtwohn- gebäuden, insbesondere Schulen und Bürogebäuden. Unabhängig vom Heizwärmebedarf dieser Häuser sind die Effekte dieser Komfortlüftungsanlage damit auch hier zu beobachten. 3. Erforderliche Maßnahmen für die Gewährleistung von Innen- raumluftqualität Aufgrund des komplexen Einsatzes bau- chemischer Produkte als Werkstoffe, Zusatz- und Hilfsstoffe bei der Verar- beitung von Baumaterialien ergibt sich für die Nutzer eine oft beträchtliche Exposition gegenüber chemischen Ge- fahrenstoffen. Durch die schnelle Entwicklung neuer Bautechnologien hinkt der Kenntnis- stand über den Umgang mit Bauche- mikalien und deren Gefahrenpoten- ziale nach, sodass erhebliche Wissens- defizite sowohl beim Handwerker im gewerblichen Bereich wie auch beim Heimwerker festzustellen sind6 . Die hier dargelegten Studienergeb- nisse zeigen deutlich, dass der doppel- te Ansatz aus 1) adäquaten Lüftungs- raten und 2) Kontrolle der Schadstoff- quellen gemeinsam die zu wählende Herangehensweise ist, um eine befrie- digende Luftqualität in Innenräumen zu erzielen7 . Es ist demnach nicht ausreichend, le- diglich auf die verbesserte Abfuhr von Luftschadstoffen durch eine mechani- sche Komfortlüftungsanlage zu setzen. Dennoch stellt diese Lüftungsanlage in punkto Luftqualität den deutlichen Mehrwert dar, den Passivhäuser (eb- enso wie andere Gebäude mit Lüf- tungsanlage) gegenüber konventionel- len Gebäuden aufweisen. Denn die Lüftungsanlage sorgt über die gesam- te Nutzungsdauer des Gebäudes für die kontinuierliche Abfuhr von Schad- stoffen. Für Wandbaustoffe, Dämmstoffe, Fu- gen- und Ausgleichsmassen sowie Putze werden derzeit ca. 60.000 ver- schiedene Substanzen eingesetzt8 . Die wenigsten sind auf ihre Umwelt und Gesundheitsverträglichkeit untersucht. Die Datenlage bezüglich der Emissi- onen von Baustoffen ist für Planer und Berater unbefriedigend bzw. ohne ent- sprechende Sachkenntnis nur schwer zu überblicken. Dennoch liegen zur Auswahl von emis- sionsarmen Baumaterialien mittler- weile zahlreiche, einschlägige Fach- publikationen vor und Gütesiegel mit unterschiedlicher Gewichtung erlau- ben auch dem Bauendkunden eine ge- wisse Orientierung bezüglich der zu er- wartenden Emissionen von Baustoffen und –produkten. Dem Gebäudenutzer muss dabei be- wusst sein, dass die positiven Auswir- kungen einer sorgfältigen Materialaus- wahl bei der Gebäudeerrichtung sich vor allem am Beginn der Nutzungs- phase eines Gebäudes ergeben. Das betrifft die Gesundheitsbelastung für den verarbeitenden Handwerker eben- so wie den verhinderten/verminderten Eintrag von belastenden Chemikalien in die Umwelt und die verbesserte Innen- raumluftqualität für den Nutzer selbst. 6 Belazzi, DI Dr. Thomas (2002) 7 Pawel Wargocki, David P. Wyon, Jan Sundell, Geo Clausen, P. Ole Fanger (2000) 8 IBO – Österreichisches Institut für Baubiologie und -ökologie (2003)

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