Die optimale relative Luftfeuchtigkeit ist auch in Abhängigkeit vom betrachteten Organ unterschiedlich zu bewerten: • Die Nase ist beim gesunden Men- schen sehr effektiv in Hinblick auf Befeuchtung und Temperaturaus- gleich, die bewerkstelligt werden können. Dadurch kann die relative Feuchte der eingeatmeten Luft auch bei niedrigen Temperaturen bis auf 100% erhöht werden. • Die Augen dagegen sind verwund- barer, besonders in Kombination mit anspruchsvoller visueller Arbeit. Auch sind ältere Menschen empfind- licher gegenüber Schwankungen der relativen Luftfeuchte als jüngere. • Ähnliches gilt für die oberen Atemwege Vor- und Nachteile unterschiedli- cher Luftfeuchtebereiche Es wurde der Versuch unternommen, Vor- und Nachteile unterschiedlicher Luftfeuchtigkeitsbereiche gegenüber zu stellen5 . • Positive Aspekte verminderter rela- tiver Luftfeuchtigkeit Von besonderer Bedeutung ist eine entsprechend niedrige Luftfeuchtig- keit für Hausstaubmilbenallergiker: Denn Hausstaubmilben gedeihen am besten bei Luftfeuchtigkeit von 50 bis 70%, sie werden nur abgetötet, wenn über mehrere Wochen hinweg die rela- tive Luftfeuchtigkeit unter 30 % liegt, Hitze und Kälte vertragen sie schlecht6 . Es konnte nachgewiesen werden, dass die Menge an Hausstaubmilben und Milbenallergenen in Häusern mit lüf- tungstechnischen Anlagen gegenüber konventionell belüfteten Häusern ge- ringer war. Es konnte auch gezeigt werden, dass Asthmatiker in Häusern mit Lüftungs- anlagen eine geringere Medikation be- nötigten. Bei Häusern mit Lüftungsanlagen, in denen keine Absenkung der relativen Luftfeuchtigkeit stattfand, konnte da- gegen keine Verringerung der Menge an Hausstaubmilben gefunden werden7 . • Negative Aspekte verminderter rela- tiver Luftfeuchtigkeit Doch niedrige Luftfeuchtigkeit hat auch zahlreiche Nachteile: Einer davon ist der höhere Staubanteil in der Luft. Bei feuchterer Luft saugen sich Staub- partikel an und sinken zu Boden, bei trockener bleiben sie länger in der Luft. Auch treten wesentlich häufiger elektrostatische Phänomene auf, die als unangenehm empfunden werden8 . Weiters kommt es vermehrt zu Augen- irritation, insbesondere bei Tempera- turen über 22°C und generell in der Heizsaison9 . Bekannt ist allgemein der negative Ein- fluss niedriger relativer Luftfeuchtig- keit auf diese oberen Atemwege: Der größte Teil der Atemwege ist mit einem respiratorischen Epithel (Deck- gewebe) ausgekleidet. Auf ihm befinden sich Flimmerzellen, die an ihrer Oberfläche haarförmige Strukturen, die Flimmerhärchen, tra- gen. Diese sind umgeben von einer dünnflüssigen Schleimschicht. Darauf befindet sich eine zweite dick- flüssige Schleimschicht, in der Fremd- partikel und Mikroorganismen haften bleiben. Innerhalb der dünnflüssigen Schleim- schicht schlagen die Flimmerhärchen etwa 450 bis 900 Mal pro Minute und schieben so die Schleimschicht in den Rachen. Innerhalb von 20 Minuten wird so die alte Schleimschicht gegen eine neue ausgetauscht. Dadurch wird die dickflüssige Schleimschicht mit- samt ihrer Fracht in Richtung Mund abtransportiert, wo sie verschluckt oder abgehustet wird. 5 Die Bezeichnung „erhöhte“ bzw. „verminder- te“ Luftfeuchtigkeit beziehen sich nachfol- genden auf den in der Literatur allgemein als akzeptabel angesehenen Bereich von ca. 40 % Relativer Luftfeuchtigkeit. 6 Referat für Gesundheit und Umwelt 7 Wallner, Dr. Peter; Moshammer, Dr. Hanns; Hutter, Dr. Hans-Peter (Juni 2005) 8 www.ukpt.de/pages/publikationen/zeitung. php?mid=20080404 geprüft am 21.11.2008 9 Wolkhoff, Peder; Kjaergaard,Soren K. (2007) WINTERLICHE RELATIVE LUFTFEUCHTIGKEIT 29
