10:42:05 - Bauhandbuch 2009

GEBAUT FÜR DIE EWIGKEIT 32 GEBAUT 2010 Gebaut für die Ewigkeit – inmitten ewiger Veränderung Wie wir Häuser von heute für die Zukunft rüsten müssen Gebaute Strukturen sind langlebig. Und das ist gut so. Investitionen in die Errichtung und insbesondere in die Er- neuerung von Gebäuden schaffen blei- bende Werte. Gleichzeitig stellen wir die Ergebnisse unserer Bauentschei- dungen in eine Welt, die sich in rasan- ter Veränderung befindet. Es stellt sich die Herausforderung, grundsätzlich langlebige Bauwerke mit Qualitäten auszustatten, die sie fit machen für die bekannten, stattfin- denden Veränderungen und die sie da- rüber hinaus gut vorbereiten für Ver- änderungen, die wir noch nicht abse- hen können, von denen wir aber sehr wohl ahnen, dass es sie geben wird. Die Herausforderung ist groß, aber auch die Möglichkeiten sind enorm. Pla- nungswissen, Planungswerkzeuge, Ma- terialien und Technologien stehen in großer Zahl und Qualität zur Verfü- gung. Das neue Bauhandbuch spiegelt das wieder. Was ist es nun, das unsere Häuser kön- nen sollen, um gerüstet zu sein für das Abenteuer der kommenden zumindest 40 Jahre? Gebaut 2010, genutzt 2050? Wir haben die Leiter des Fachberei- ches Architektur und Ingenieurwissen- schaften am Department für Bauen und Umwelt gefragt – einem Institut der Donau-Universität Krems, in dem Spezialisten unterschiedlichster Fach- bereiche Wissen um das nachhaltige, also zukunftsfähige Bauen erweitern und weitergeben. WAS STEHT BEVOR? a) Veränderungen, die wir kennen Manchen Veränderungen stehen wir un- mittelbar gegenüber, befinden uns mit- ten in ihnen. Alternde Bevölkerung Für Bauentscheidungen hochgradig re- levant sind etwa demoskopische Ver- änderungen und Veränderungen in den Familienstrukturen. Eine anteilige Zunahme älterer Menschen, eine wei- tere Zunahme rasch wechselnder Fa- milienkonstellationen inklusive Allein- erzieherInnen und Singles scheint vor- gezeichnet. Eingeschränkte Mobilität Mobilität wird zurückgehen. Die indivi- duelle Mobilität, als natürliche Folge längerer Lebensphasen im hohen Alter. Aber auch das gesellschaftliche Phä- nomen des Verkehrs wird quantitativen Veränderungen unterliegen, ist doch Verkehr in postindustriellen Kulturen der Energieverbraucher Nr.1, gefolgt vom Energiehunger unserer Gebäude übrigens. Man muss kein Prophet sein um zu wissen, dass das Ende billigen Öls auch das Ende verkehrsdominierter Le- bensformen mit sich bringt. Teures Öl Peak Oil ist erreicht, also jener Zeit- punkt, ab dem die jährliche Förder- menge nicht mehr gesteigert werden kann, sondern zu fallen beginnt. Preis- schwankungen und Verteilkonkurrenz sind unausweichlich. Das Ende des Zeit- alters billigen Öls ist da. Darüber kön- nen auch keine kurzfristigen, wirt- schaftlich bedingten Preisnachlässe hinwegtäuschen. Klimaveränderung Die Erkenntnisse der internationalen Klimaforschung prognostizieren mit über neunzigprozentiger Wahrschein- lichkeit ein signifikantes Ansteigen der Erdoberflächentemperaturen und ein Ansteigen der Häufigkeit und Heftig- keit extremer Wetterereignisse. Es steht mittlerweile außer Zweifel, dass diese Veränderungen überwie- gend menschengemacht sind und dass sie in ihrer Dimension und Schnellig- keit ohne Vergleich in der Mensch- heitsgeschichte dastehen. b) Veränderungen, die wir nicht kennen Die Zukunft lässt sich nicht in die Kar- ten schauen. Zukunftsforscher analy- sieren die Vergangenheit, untersuchen Trends und bauen darauf Prognosen auf. Wissen tut’s keiner.

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