GEBAUT FÜR DIE EWIGKEIT 33 Zu den offensichtlichen Veränderungen, die wir kennen, weil sie bereits stattfin- den, kommen also noch solche, die wir gar nicht kennen. Es stellt sich die Frage, wie man Gebäude auf Veränderungen vorbereiten soll, die man gar nicht kennt. Ein Hinweis dazu kann aus der Kindererziehung kommen: Liebevolle und kluge Eltern versuchen, Ihren Kindern Rüstzeug mitzugeben für das große, unbekannte Leben: Wissen, Lebensmut und vieles mehr. Vergleichbar müssen wir auch unsere Gebäude ausstatten mit Qualitäten, die sie robust machen gegenüber Verände- rungen, deren Charakter noch unbe- kannt ist. WIE HEUTE FÜR MORGEN BAUEN? Was also kann und muss getan werden, damit das Gebäude von 2010 nicht der Bauschutt von 2050 ist, damit eine In- vestition von heute nicht zur Armuts- falle von morgen wird? Die Grundlage aller möglichen Antwor- ten kommt aus dem Verständnis nach- haltiger Entwicklung, nämlich Ent- scheidungen so zu setzen, dass gegen- wärtige Bedürfnisse befriedigt werden und gleichzeitig die Spielräume für künftige Entscheidungen gleich blei- ben oder größer werden. Leitlinie aller nachhaltigen Bauentscheidungen muss es daher im Wortsinn sein, sich die Zu- kunft nicht zu verbauen, also so zu bauen, dass Änderungen der Nutzung, der Energieversorgung oder eben auch des Klimas möglich sind. Einige diesbezüglich grundlegende Qualitäten heutiger Gebäude für mor- gen sind: Angemessen bauen Entscheiden Sie klug, wie groß ihr Wohnraum, ihre Gewerbefläche sein soll. Entscheiden Sie mit Augenmaß, vertrauen Sie die Planung einem Ex- perten/einer Expertin an. Schaffen Sie gute Raumgestaltung statt großer Grundfläche, bedenken Sie die Möglichkeiten einer Tempera- turstaffelung innerhalb der konditio- nierten Bereiche: Kleineres Haus, weniger Kosten, weniger Energiever- brauch, weniger Erhaltungsaufwand, mehr Krisenfestigkeit. Klimagerecht bauen Wesentlich ist, unsere Wohnungen und Büros so zu bauen, dass sie mit zuneh- mend heißen Sommern fertig werden. Das muss mit klug abgestimmten bauli- chen Maßnahmen gelingen, insbeson- dere Befensterung, Sonnenschutz, Spei- chermassen, Nachtlüftung, Luftbewe- gung generell u.v.a.m. Technische Küh- lung mit Klimaanlagen ist nur in Son- derfällen eine Lösung. Generell ist tech- nische Kühlung mit ihrem Energiever- brauch eher Teil des Problems als Teil der Lösung. Gleichzeitig werden die Win- ter in Summe milder. Extremtempera- turen bleiben aber. Keinesfalls ist also der Wärmeschutz zu reduzieren. Der hilft nämlich auch gegen Hitzewellen. Robust und vorsorglich bauen Denken im Lebenszyklus Wer klug baut, baut robust und gleich- zeitig wandelbar. In den Grundstrukturen, also den tra- genden Bauteilen, in den wesentlichen konstruktiven Elementen und in der räumlichen Gestaltung sind unsere Gebäude über ihre Lebensdauer fest- gelegt. In diesem Wesenskern des Ge- bäudes ist daher Robustheit, Lang- lebigkeit, Fehlertoleranz und Reparier- barkeit einzufordern. Bei allen ande- ren Elementen der Gebäudehülle oder des Ausbaus sind die Wartungs- und Reparaturzyklen zu beachten. Es kön- nen Zeiten kommen, in denen wir Wichtigeres zu tun haben werden, als die high-tech Leitstände mancher Haustechnikzentralen zu warten. Des- wegen ist schon jetzt smart-tech bes- ser als high-tech. Energieverbrauch senken Der Energieverbrauch von Gebäuden für Heizen, Warmwasser, Haushaltsstrom und, im Gewerbebau, gelegentlich Küh- lung muss minimiert werden. Im eige- nen und auch im gesellschaftlichen In- teresse. Die technischen Maßnahmen am Gebäude sind weithin bekannt: Sehr gute Wärmedämmung, sehr gute Fens- ter, Luftdichtheit der Gebäudehülle, minimierte Wärmebrücken, Lüftungsan-
